Persönliche Meinungen eines Experten für Umwelt-Informatik (siehe auch www.eenergie.net/wiki)

Crowd-Dummheit: Prism, Tempora

Ulrich Schaaf  June 25 2013 13:38:07
.
Wie dumm muss man sein, hunderte Millionen Dollar auszugeben für die totale Internet-Überwachung? Mr. Snowden hat uns verraten, dass die Geheimdienste der Amerikaner und Briten sämtliche Internet-Daten für die Terrorfahndung auf Vorrat speichern. Zur Verteidigung erklärte die Obama-Administration (NSA), dass schrecklichen Anschläge verhindert wurden. So sei eine Geld-Überweisung an Al Khaida entdeckt worden. Whoww! Was für ein Preis-Leistungs-Verhältnis!

Image:Crowd-Dummheit: Prism, Tempora

Ich bin absolut sicher: Leute, die wirklich was von Terrorfahndung verstehen, kümmern sich nicht um diese blödsinnigen Crowd-Auswertungen. Wie schön wäre es, wenn mal ein deutscher Geheimdienstler aus dem Nähkästchen plaudern würde. Er könnte uns viel von der kollektiven Dummheit der Dienste erzählen.

Ersatzweise berichte ich von einer Aufklärungsaktion des MAD (Militärischer Abschirmdienst):

Ein mir sehr gut bekannter junger Mann war zum Militärdienst einberufen worden. Er musste im Luftschutzbunker an der Radarüberwachung des Feindes mitwirken, ein Hochsicherheitsbereich, der die Überwachung der Rekruten voraussetzte.  Schützenswerte Informationen gab es nach Auskuft des jungen Mannes zuhauf: Vor allem der Zustand der Überwachungsgeräte musste geheim gehalten werden. Der Feind hätte sich kaputtgelacht über die museumsreifen Bandgeräte, die die Radardaten speicherten.

Also kam ein James-Bond-Typ vom MAD pflanzte sich mit verspiegelter Brille vor dem Verdächtigen auf und startete die Befragung. Er war bestens informiert durch den Datenaustausch der Behörden: Der junge Mann
  • hatte mal Hasch geraucht,
  • spielte in einer Punk-Band,
  • war mit der S-Bahn schwarz gefahren,
  • war mal in der Türkei
  • und ein Onkel von ihm war beruflich im Iran (bei einer Fluggesellschaft).

Ein Abgrund von Landesverrat!
(Wie damals Konrad Adenauer in der Spiegel-Affäre sagte.) Unser Spion durfte also nicht mehr in den Geheimnisbunker, sondern musste in der Schreibstube Dienst tun. Auch da gab's tolle Bürokraten-Geschichten, die hier aber zu weit führten. Wie abgrundtief dumm sind denn diese Leute, dass sie meinen, man müsse nur alle Daten auf einen Haufen schmeißen, und würde dann Erkenntnisse kriegen? Es geht mir nicht in den Kopf!

Ich kann Mr. Obama gut verstehen, dass er Mr. Snowden jetzt gnadenlos verfolgt! Wer wird denn gern der Dummheit überführt?!

Die kollektive Empörung im Netz über die Enthüllungen erscheint mir aber auch nicht gerade intelligent. Die Daten-Misthaufen sind auch nicht für Wirtschaftsspionage oder die Ausspähung der Privatsphäre geeignet. Das meine ich mit Crowd-Dummheit: Die Nutzbarkeit der Daten wird einfach überschätzt, nur weils so viele sind.

Was mich schon besorgt macht, sind die wahrscheinlich dummen und falschen Schlüsse die aus dem Datenschrott abgeleitet werden, siehe MAD oben. Schaffen wir doch einfach die Massenüberwachung ab! Das spart Geld, das - anders eingesetzt - für mehr Sicherheit sorgen würde. Und vielleicht schaffen wir die Dienste auch gleich ab; Helmut Kohl meinte mal, er habe nie Nutzen aus Geheimdienst-Informationen gezogen.

Für mich ist Mr. Snowden ein Held!
.
Links zu verwandten Themen:
Meine Daten gehören mir - wir brauchen keine Schatten-Datenbanken
Verfassungsgericht schützt vor Terrorfahndern und verbietet "anlasslose Datenspeicherung"
Schwarm-Intelligenz: Summe der Dummheit aller Schwarmmitglieder?











Comments

1Ulrich Schaaf  07/04/2013 13:13:05  Crowd-Dummheit: Prism, Tempora

Dass der Lauschangriff auf alle Daten eine gigantische Geldverschwendung ist sagt auch die Kolumne von Wolfgang Müchau im Spiegel: S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Geheimer Rat ist teuer. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kolumne-von-wolfgang-muenchau-oekonomie-des-lauschens-a-909226.html)

Wichtiger ist aber noch der Schaden, der durch die falschen Schlüsse aufgrund der Crowd-Daten entsteht. Das schränkt die Freiheitsrechte ein!