Persönliche Meinungen eines Experten für Umwelt-Informatik (siehe auch www.eenergie.net/wiki)

Populismus pur

Ulrich Schaaf  February 13 2014 16:06:24
'Vox Populi, vox Rindvieh': so brachte es der Urvater des modernen Bayern, Franz-Joseph Strauß auf den Punkt. Volkes Stimme ist nichts wert. Oder doch?

Image:Populismus pur

Es ist nur allzu durchsichtig, warum sich Bayerns Ministerpräsident gegen die Stromtrassen wendet. Die "Gleichstrompassage Süd - Ost: Höchstspannungsleitung Lauchstädt - Meitingen" führt durch Wählerterritorium. Die Kommunalwahl (15.03.14) soll jetzt erst mal abgewartet werden und dann über die Trasse entschieden werden.  Die Trassenführung und mögliche Alternativen können von der Amprion-Homepage heruntergeladen werden (LINK).

Dennoch
: Brauchen wir die großen Trassen wirklich oder sollten wir auf dezentral erzeugten Strom setzen?

Der populistische Vorstoß des Ministerpräsidenten könnte eine Diskussion anstoßen, die ich für dringend notwendig halte:
.
  • Wieviel Strom muss überregional transportiert werden?
    Natürlich fordert der bne (Bundesverband neue Energieanbieter) diese großen Strom-Autobahnen, damit die Stromhändler ihre Ware möglichst beliebig verkaufen könen. (LINK)
  • Kohlestrom-Lieferanten aus NRW und Windstrom-Lieferanten aus SH und Sachsen-Anhalt
    haben auch großes Interesse, dass sie ihre Produkte im Süden verkaufen können.
  • Es geht um Vorteile für einzelne Regionen;
    da wird natürlich gestritten. Wo erfolgt die Wertschöpfung?
  • Wäre Strom 'von-hier' nicht besser?
    Wäre eine dezentrale, regionale Energieversorgung nicht besser? Weil sicherer und weil das Geld im Land bleibt. (Siehe LINK)
  • Warum gibt es bei der Stromversorgung kein Subsidiaritätsprinzip?
    Überregionale Stromversorgung dann, wenn es auf regionaler Ebene nicht geht!

So gesehen ist eine Bremse für die Strom-Autobahnen ja eigentlich begrüßenswert?!

Ich war aber mal bei einer Werksbesichtigung in Meitingen, wo die Stromtrasse endet und SGL-Carbon ansässig ist. Dort sieht man Gebinde von Carbon-Stäben, aus denen Graphit-Elektroden gefräst werden, die etwa 3 x 2 x 1,5 m groß sind und tagelang auf 2000 Grad mit Strom geheizt werden müssen. (LINK) Da wundert mich die Trassenführung nicht mehr!

Ehrlich
: Ich kann mir's nicht vorstellen, dass es dafür mit regionaler Stromversorgung reicht! Und die 47% Atomstromanteil in Bayern sprechen ja auch für sich.